

Fotos: © Le Château de Garnerot
Vorneweg sei gesagt, dieses Video-Meeting mit Caroline Fyot, einer der beiden Inhaberinnen des Weingutes von Château de Garnerot, fand ich super sympathisch! Es macht eben schon einen Unterschied, wenn man sich vorher noch nicht kannte, der erste Kontakt face to face stattfinden kann. Es ersetzt zwar nicht die Atmosphäre vor Ort, aber so ein Videomeeting öffnet dennoch Türen und schenkt persönlichere Gespräche.
Die 6 ha Weinberge des Weinguts befinden sich derzeit in der für 2021 geplanten Umstellung auf biologischen Landbau. Dies sei die Grundvoraussetzung, um Weine nach der Überzeugung der beiden Weingutsbesitzerinnen zu machen, wurde mir im Interview berichtet. Respekt vor der Natur und vor dem Terroir setze einen umweltfreundlichen Weinanbau voraus, so Caroline Fyot.
Die beiden Frauen, die das Weingut übernommen haben, sind, wie so oft, Quereinsteiger aus Überzeugung in diesen Beruf. Vorangegangen ist bei beiden eine Karriere in großen internationalen Unternehmen. Bei
Alexia Russo im Beauty-Sector und bei Caroline Foyt in der Versicherungsbranche. Beide spürten, dass sie sich der Natur wieder verbundener fühlen wollten. Mit dem Kauf des Weinguts "Le Château de Garnerot" verwirklichten die beiden Frauen einen Kindheitstraum. Aber das Weingut in
Mercurey wurde nicht einfach gekauft, um es zu bewohnen – hier wird weiterhin mit viel Passion Wein gemacht. Das dazu notwendige Know-how wurde durch den Erwerb des "Professional Agricultural Certificate" am Lycée Viticole de Beaune und Praktika in Côte de Nuits und Côte Chalonnaise erworben. Und 2018 konnte der erste Jahrgang des eigenen Weins in Flaschen gefüllt werden.
Die Weinberge sind hauptsächlich im
Côte Chalonnaise und Côte de Beaune. Die Auswahlkriterien für einen Weinberg bestimmen alte Rebstöcke, Bodenqualität und die Ausrichtung der Parzellen. Ziel ist es, das ursprüngliche und historische Potenzial des Terroirs im Südburgund wieder erleb- und schmeckbar zu machen und jeder Parzelle ihren eigenständigen Charakter zu belassen. Vom Aligoté bis zum Premium Cru wird daher mit derselben Achtsamkeit in den Weinbergen gearbeitet. Die Lese – hauptsächlich per Hand – und die Arbeit im Keller werden sorgfältig und dem Jahrgang angepasst ausgeführt. Die Weingbergsarbeit erfolgt pestizid- und herbizidfrei und wird vom
Mondkalender bestimmt. Jede Parzelle wird nach der Methode Guyot und Guyot Poussard gepflegt und beschnitten, da dabei die saftführenden Adern in den Reben am besten respektiert werden.
Eine Herzensangelegenheit der beiden Frauen ist es, dem Château de Garnerot aus dem 18.Jahrhundert wieder Leben einzuhauchen. So finden auf dem Gut viele Veranstaltungen rund um den Wein und die "Aromen von Mercurey" statt. Ich sollte noch erwähnen, dass sowohl Caroline als auch Alexia leidenschaftliche Köchinnen sind und auf Instagram gerne zeigen, dass große Weine aus dem Burgund mit internationaler Landhausküche wunderbar harmonieren. Denn das sei kein Sakrileg, wie mir Caroline lachend versichert.
Neugierig geworden?
Kontakt:
Email: contact@chateaudegarnerot.fr
PS: Das Weingut hat Interesse an einem Importeur in Deutschland.
"Les Louéres"
AOC Bouzeron
Jahrgang: 2019
Rebsorten: 100% Aligoté
Boden: weißer Mergel, kalkhaltige Böden
Alkohol: 13,0%vol
Nase: Blüten - wie der betörende Duft von Akazien im Sommer und das Aroma exotischer Früchte wie das von Passionsfrucht und Zitrusfrüchten.
Gaumen: harmonisch abgerundet, erfrischende Säure und animierende Frucht. Zudem ein angenehmer langer Abgang und eine kräftige Struktur. Was für ein schöner Aligoté!
Mein Fazit: Das ist ein Weißwein, der einfach zu genießen ist und der in der Lage ist, ein ganzes Dinner zu begleiten. Ziegenkäse, Meeresfrüchte und Fisch sowie Huhn sind die Zutaten, die sich zu diesem Aligoté anbieten.
Côte Chalonnaise
AOC Bourgogne
Jahrgang: 2018
Rebsorten: 100% Pinot Noir
Parzelle: in der Gemeinde Mellecey mit einer westlichen Ausrichtung
Der Ort Mellecey liegt südöstlich von Mercurey, einem der bekanntesten Rotweinorte der Côte Châlonnaise
Boden: kalkhaltige, steinige rote Böden
Alkohol: 13,5%vol
Auszeichnung:
Nase: Himbeeren, Cassis und Süßholz – diese elegante Pinot Noir-Nase zeigt der Wein, nachdem er etwas Luft bekommen hat. Vielleicht ist auch ganz sanft etwas Florales zu erkennen, das an die Duftveilchen im Frühjahr erinnert.
Gaumen: Mundfüllend, schön und mit präsentem Tannin. Wer die Geduld aufbringt, dem Wein noch ein paar Jahre im Keller zu gönnen, wird mit einem eleganten und harmonischen Pinot beschenkt werden. Typisch für die Roten dieser Gegend: ein "spicy & salty" Finish und ein lang anhaltender Abgang.
Mein Fazit: Noch stehen die Tannine etwas im Vordergrund, aber Weine dieser Region offenbaren erst nach ein paar Jahren ihr volles Potenzial. Dennoch macht der Wein heute schon großes Vergnügen, wird er mit zu gegrilltem Fleisch, Boeuf Bourguignon oder gegrilltem Hähnchen oder würzig cremigem Käse geöffnet.
Diesen Wein genießt man am besten zu folgenden französischen AOP Käsesorten: Saint-Nectaire, Mont d'Or, Reblochon und Epoisse.
1er Cru rouge "Clos Voyens" 2019
AOC Mercurey
Jahrgang: 2019
Rebsorten: 100% Pinot Noir
Böden: Der Weinberg liegt gerade einmal 15 Meter vom Weingut entfernt und hat eine steile Südausrichtung mit steinigen Böden.
Alkohol: 13,5%vol
Nase: Öffnet sich, wenn der Wein genügend Luft bekommen hat. Dann zeigen sich Veilchen, Schwarzer Kirsche und Cassis im Bouquet.
Gaumen: Wow! Die knackigen Tannine hinterlassen ein pelziges Gefühl. Der frische und salzige Abgang wird von Aromen von Tabak und Kakao begleitet. Noch ziert sich der Wein, aber in ihm steckt ein sanfter Riese, der sich in den nächsten 5-10 Jahren in voller Größe zeigen wird.
Mein Fazit: Was für einen Unterschied doch alte Reben machen! Im Schnitt sind die Reben für den "Clos Voyens" 50 Jahre alt und schenken dem Wein eine wunderbare Tiefe. Der Pinot Noir ist bereits jung ein "easy to drink"-Kandidat, wird Liebhabern dieser Weine aus dem Burgund jedoch in gut drei Jahren offenbaren, welche Komplexität tatsächlich in ihm steckt. In jungen Jahren sollte der Pinot ruhig etwas gekühlt getrunken werden.
Die rustikale Landhausküche mit geschmorten Geflügel, gegrilltem Schwein sowie Lamm- und Rinderbraten sind die besten Begleiter, will man den Wein schnörkellos genießen. Ich würde ihn außerdem zur Weihnachtsgans empfehlen, da die Tannine mit dem Fett der Gans perfekt zurecht kommen.
1er Cru "Les Vignes Franches"
AOC Beaune
Jahrgang: 2018
Rebsorten: 100% Pinot Noir
Böden:
Alkohol: 13,5%vol
Auszeichnung:
Nase: Im Bouquet bereits zeigt dieser Wein eine elegante Generosität. Aromen von dunklen Beeren wie Cassis und Brombeere sind ebenso präsent wie der Duft roter Früchte. Kirschen und Rote Johannisbeeren. Sanft erklingt bereits das Aromenspiel von Waldboden, Trüffel, Leder und Gewürzen. Großartig!
Gaumen: Kraftvoll. Komplex. Groß. Ausgestattet mit einer fleischigen Textur und sich im Mund widerspiegelnden Aromen, die man bereits im Bouquet genießen durfte. Davon nimmt man gerne noch ein Glas! Würze, Tannin, Säure und Frucht im Einklang. Jung bereits eine Gaumenfreude und mit den Jahren ganz sicher eine elegante Größe.
Mein Fazit: Vor Jahren habe ich mein Herz dem Pinot Noir aus dem Burgund geschenkt und irgendwie im Lauf der Zeit aus den Augen verloren. Was für ein schönes Gefühl war es nun, dass mich dieser Wein wieder daran erinnert hat. Eines steht fest: So bald wie möglich werde ich die Einladung auf das Weingut annehmen. Dort die Gastfreundschaft und die Küche genießen und meinen Keller mit ein paar dieser außergewöhnlichen Flaschen aufstocken. Zu dem Wein passen aromatische Wildgerichte, gegrilltes Kaninchen und kräftige Käsesorten wie Époisses AOP, Munster AOP, Soumaintrain IGP oder Maroilles AOC.
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